Paris – je ne sais quoi IV (fünfteilig)

Peter Eberli auf einem Mobilec E-Mofa

Peter Eberli, Mobilec E-Mofa Entwickler

Statue des Apostels Jakobus

Keine Minute durfte ich verlieren! Ich hastete zum Gare St. Lazare und Augenblicke später rollte ich im Vorortszug hoffnungsvoll dem neuen Abenteuer entgegen. Zuoberst auf einer bewaldeten Hügelkuppe stiess ich nach längerem Fussmarsch auf den ummauerten imposanten Gebäudekomplex der eher einer modernen Universität als einem Kloster glich. Dort empfing mich Pfarrer Eberhard in schwungvollem Buredütsch. Ja, ja, natürlich könne ich hier wohnen, Arbeit gäbe es genug und ich solle nur gerade meinen Koffer in Paris holen gehen. Das tat ich dann auch mit grosser glücklicher Erleichterung. Jetzt schien also mein Pariser Unterfangen doch noch, wenn auch auf Umwegen, zustande zu kommen.

Baumeister – Holzschnitt_von_Jost_Amman

Um zehn Uhr abends bezog ich im Foyer eine Klause mit Tisch, Stuhl, Bett und einer elektrischen Glocke. Von nun an schellte diese Glocke all morgendlich um fünf Uhr dreissig und erinnerte mich an die obligatorische Frühmesse um sechs Uhr. Nach der Andacht wandelte ich inmitten etwa dreissig Nonnen, einem Kanadier und einem Franzosen, zwei finanziell ebenfalls nicht gut gepolsterte Burschen, in die grosse Küche. Dort wurde uns an zwei langen Tischen ein üppiges Frühstück von Nonnen serviert die auch für die Exerzitienteilnehmer kochten und alle Hausarbeiten besorgten.

Wir drei Burschen wurden anschliessend durch Pfarrer Eberhard an die Arbeitsplätze verteilt. Meist hatten wir draussen im grossen Park mittels Betonmaschine und Pressvibrator Zementsteine herzustellen, diese zur Kapelle zu transportieren und sie dort für einen Anbau mit Senklot und Wasserwaage zu vermauern. Gelegentlich pflanzte ich auch Bäumchen im Park oder jätete auf dem Feld. Die Freiheit und Frische der Natur und die interessanten Unterhaltungsmöglichkeiten mit den verschiedensten Leuten waren die beste Medizin für meine doch etwas aufgerauten Nerven.

Eine gute Woche später kehrte ich für einen Tag nach Paris zurück um dort zum Rechten zu sehen. Zuerst zum Schweizerkonsulat. Monsieur Despland weilte in den Ferien. Das begann ja grossartig! Weiter zum Cercle commercial. Tatsächlich, Fräulein Moser hatte Wort gehalten. Lächelnd drückte sie mir das wichtige Dokument aus Bern in die Hände. Blitzschnell flitzte ich zur Compagnie Electro-Mécanique wo man mir aber auseinander setzte, dass ich die Stelle unmöglich antreten konnte, da ja auch eine Bestätigung vom Arbeitsministerium vorliegen musste.

Bittsteller vor der Dame

Wann sollte diese Hexerei endlich ein Ende finden? Es blieb mir gerade noch genügend Zeit um der Dame im Ministerium einen Besuch abzustatten. Sie zeigte sich sehr erbost darüber, dass ich sie schon wieder störte. Doch dank einigen mir gut gelungenen Schachzügen gelang es mir sie zu erweichen und ihr nochmals meine ganze erweiterte Leidensgeschichte eindrücklich zu schildern. Tatsächlich, sie versicherte mir mein Begehren sofort an die Hand zu nehmen. Mehr noch, ich sollte gar meine Firma beauftragen ihr anzurufen. Das tat ich nur eine halbe Stunde später. Und… ich wollte es kaum mehr glauben… in einer Woche durfte ich mit meiner Arbeit in Paris beginnen!

Im Hotel Wilson reservierte ich wieder das gleiche alte schmuslige Zimmer, da ich ja trotzdem noch über einen Monat auf den ersten Zahltag zu warten hatte. Selbstzufrieden kehrte ich für eine letzte Woche nach Poissy zurück.

Elektrolokomotiv compagnie electro-mécanique

Der 3. Mai bedeutete wahrlich ein würdiges Datum in meiner Berufsgeschichte: Eintritt in den Kreis der renommierten französischen Lokomotiv- Konstrukteure.

Die ersten Wochen bereiteten mir allerdings heftigen geistigen Muskelkater, ging es doch jetzt nicht mehr nur darum französisch zu lernen, sondern auch das sehnlichst erwartete erste Salär zu rechtfertigen.

Author: Peter Eberli